Problematik

Prostitution
Prostitution ist seit 2002 nicht mehr sittenwidrig. Auch die Förderung der Prostitution ist nicht mehr strafbar. Trotzdem gibt es keine verlässlichen Angaben darüber, wie viele Frauen im Bereich Prostitution arbeiten (müssen). Die Schätzungen reichen von 150.000 bis 400.000 Frauen. Der Anteil der Frauen nichtdeutscher Herkunft steigt kontinuierlich und liegt inzwischen bei über 80% (1999: 52%). Mehr als zwei Drittel dieser Frauen stammen aus Osteuropa, insbesondere aus den EU-Staaten Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Polen und Tschechien. In Bordellen und Sexkinos arbeiten außerdem zahlreiche thailändische sowie nigerianische Frauen. Die absolute Mehrheit der Frauen muss sich aus einer Not heraus prostituieren (Armutsprostitution, Beschaffungsprostitution) oder wird dazu gezwungen (Betroffene von Menschenhandel). Die Übergänge von Ausbeutung zu Zwang sind fließend. Die sog. „selbstbestimmten Sexarbeiterinnen“ stellen eine absolute Minderheit dar.

Für Berlin kann davon ausgegangen werden, dass rund 6.000 bis 8.000 Frauen in den etwa 400 bis 600 bordellartigen Betrieben einschließlich Bars, Sexkinos und Massagesalons oder auf dem Straßenstrich arbeiten (müssen). Auch in Berlin dominieren Frauen aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn.

Im Oktober 2016 wurde vom Deutschen Bundestag das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) beschlossen. Das Gesetz trat im Juli 2017 in Kraft. Das ProstSchG sieht eine verpflichtende Gesundheitsberatung und Anmeldepflicht für alle in der Prostitution tätigen Personen vor. Außerdem müssen sich nun alle Prostitutionsbetriebe anmelden.

Angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Frauen sich nicht “freiwillig” prostituieren, werden zunehmend Stimmen lauter, die eine Neuregelung der Prostitution nach Nordischem Modell fordern. In Ländern wie Schweden, Norwegen, Island, Irland, Nordirland, Frankreich, Kanada und Israel ist der Sexkauf grundsätzlich verboten. Die Frauen erhalten Hilfe beim Ausstieg aus der Prostitution.

Menschenhandel
Mit Menschenhandel werden weltweit jährlich Gewinne von rund 30 Milliarden Dollar gemacht. Weltweit werden jedes Jahr etwa 700.000 Frauen und Mädchen verschleppt und zur Prostitution gezwungen. In Deutschland wurden 2017 laut “Bundeslagebild Menschenhandel” des Bundeskriminalamt (BKA) 327 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung mit 489 Opfern abgeschlossen. Die meisten Verfahren gab es in Nordrhein-Westfalen (76), Berlin (54) und Niedersachsen (30).

Die meisten der 489 Opfer stammten aus Südosteuropa (Bulgarien: 23,3%; Rumänien: 22,3%). 19,2% der Opfer waren deutscher Nationalität. 99% aller Betroffenen waren weiblich. Knapp die Hälfte der festgestellten Opfer war unter 21 Jahren (45,8%); 65 Opfer waren minderjährig. Daran wird deutlich, dass die „Nachfrage“ nach jungen Frauen besonders hoch ist.

Die insgesamt niedrigen Fallzahlen ergeben sich dadurch, dass Menschenhandel ein Kontrolldelikt darstellt: Ohne Kontrollmaßnahmen können Opfer kaum identifiziert und das „Dunkelfeld“ nicht aufgehellt werden.

Drogenabhängigkeit
In Deutschland gibt es ca. 160.000 Menschen, die regelmäßig Heroin konsumieren oder konsumiert haben. Etwa die Hälfte von ihnen wird substituiert, das bedeutet, dass sie Methadon oder eine vergleichbare Ersatzdroge erhalten. 2018 starben bundesweit 1.276 Frauen und Männer an den Folgen ihres Drogenkonsums.

In Berlin gibt es ca. 8.000 bis 10.000 Heroinabhängige. Insgesamt konsumieren etwa 165.000 Berliner illegale Drogen. In Berlin starben im vergangenen Jahr 155 Männer und 36 Frauen durch illegale Drogen – 23 mehr als 2017. Während in anderen Bundesländern die Drogentoten zurückgegangen sind, verzeichnet Berlin seit sieben Jahren einen massiven Anstieg von 114 Drogentoten im Jahr 2011 auf jetzt 191. 2018 starben in Berlin so viele Menschen an harten Drogen wie zuletzt 2005. Mit fast 15% aller Drogentoten hatte Berlin den höchsten Anteil seit mindestens 25 Jahren.