Prostitution

Prostitution ist seit dem in Kraft treten des Prostitutionsgesetzes 2002 nicht mehr sittenwidrig. Auch die Förderung der Prostitution ist nicht mehr strafbar. Trotzdem gibt es keine verlässlichen Angaben darüber, wie viele Frauen im Bereich Prostitution arbeiten (müssen). Die Schätzungen reichen von 150.000 bis 400.000 Frauen. Der Anteil der Frauen nichtdeutscher Herkunft steigt kontinuierlich und liegt inzwischen bei über 80%. Mehr als zwei Drittel dieser Frauen stammen aus Osteuropa, insbesondere aus den EU-Staaten Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Polen und Tschechien. In Bordellen und Sexkinos sind außerdem zahlreiche thailändische sowie nigerianische Frauen tätig. Die absolute Mehrheit der Frauen muss sich aus einer Not heraus prostituieren (Armutsprostitution, Beschaffungsprostitution) oder wird dazu gezwungen (Betroffene von Menschenhandel). Die Übergänge von Ausbeutung zu Zwang sind fließend. Die sog. „selbstbestimmten Sexarbeiterinnen“ stellen eine absolute Minderheit dar.

Im Oktober 2016 wurde vom Deutschen Bundestag das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) beschlossen. Das Gesetz trat im Juli 2017 in Kraft. Das ProstSchG sieht eine verpflichtende Gesundheitsberatung und Anmeldepflicht für alle in der Prostitution tätigen Personen vor. Außerdem müssen sich nun alle Prostitutionsbetriebe anmelden. Die Zahl der angemeldeten Prostituierten schwankt zum Teil erheblich. 2019 waren 40.400 Personen angemeldet. 2021 waren es lediglich 23.700. Der überwiegende Teil aller in der Prostitution Tätigen ist somit nicht offiziell angemeldet.

2017/2018 haben wir im Rahmen des EU-Projektes „German Integration Program for Survivors of Trafficking“ (GIPST) (www.gipst.eu) eine Recherche und Kartierung der Prositutionsstätten in Berlin durchgeführt. Die Liste umfasst über 400 Bordelle und Orte, an denen Prostitution ausgeübt wird. Für Berlin kann davon ausgegangen werden, dass in den schätzungsweise 400 bis 500 bordellartigen Betrieben einschließlich Bars, Sexkinos und Massagesalons sowie auf dem Straßenstrich rund 6.000 bis 8.000 Frauen der Prostitution nachgehen. Angemeldet entsprechend ProstSchG sind zwischen 1000 und 2000 Personen. Auch in Berlin dominieren Frauen aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn. 

Angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Frauen sich nicht “freiwillig” prostituieren, werden zunehmend Stimmen lauter, die eine Neuregelung der Prostitution nach Nordischem Modell fordern. In Ländern wie Schweden, Norwegen, Island, Irland, Nordirland, Frankreich, Kanada und Israel ist der Sexkauf grundsätzlich verboten. Weitere europäische Länder planen ein solches Modell. Die Frauen erhalten Hilfe beim Ausstieg aus der Prostitution.

Menschenhandel

Mit Menschenhandel werden weltweit jährlich Gewinne von rund 30 Milliarden Dollar gemacht. Weltweit werden jedes Jahr etwa 700.000 Frauen und Mädchen verschleppt und zur Prostitution gezwungen. In Deutschland wurden 2021 laut “Bundeslagebild Menschenhandel” des Bundeskriminalamt (BKA) 291 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung mit 417 Opfern abgeschlossen. Die meisten Verfahren gab es in Nordrhein-Westfalen (82), Berlin (48) und Bayern (44).

Die meisten der 417 Opfer stammten aus Südosteuropa (Bulgarien: 70; Rumänien: 67; Ungarn: 29). 95 Opfer waren deutscher Nationalität. . 93% aller Betroffenen waren weiblich. Etwa jedes dritte Opfer war unter 21 Jahren. Daran wird deutlich, dass die „Nachfrage“ nach jungen Frauen besonders hoch ist.

Die insgesamt niedrigen Fallzahlen ergeben sich dadurch, dass Menschenhandel ein Kontrolldelikt darstellt: Ohne Kontrollmaßnahmen können Opfer kaum identifiziert und das „Dunkelfeld“ nicht aufgehellt werden.

Drogenabhängigkeit

In Deutschland gibt es ca. 160.000 Menschen, die regelmäßig Heroin konsumieren oder konsumiert haben. Etwa die Hälfte von ihnen wird substituiert, das bedeutet, dass sie Methadon oder eine vergleichbare Ersatzdroge erhalten. 2020 starben bundesweit 1.581 Frauen und Männer an den Folgen ihres Drogenkonsums.

In Berlin gibt es ca. 8.000 bis 10.000 Heroinabhängige. Insgesamt konsumieren etwa 165.000 Berliner illegale Drogen. In Berlin starben im Jahr 2020 insgesamt 216 Männer und Frauen durch illegale Drogen – der höchste Stand seit über 15 Jahren. Während in anderen Bundesländern die Drogentoten zurückgegangen sind, verzeichnet Berlin seit neun Jahren einen massiven Anstieg von 114 Drogentoten im Jahr 2011 auf jetzt 215. Mit fast 15% aller Drogentoten hatte Berlin den höchsten Anteil seit mindestens 25 Jahren.

Straßenstrich Kurfürstenstraße

Die Kurfürstenstraße zwischen Genthiner- und Potsdamer Straße ist der berüchtigtste Straßenstrich Berlins und gilt seit vielen Jahren als Kriminalitätsschwerpunkt. Bekannt wurde die Straße durch das Buch und den Film “Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo”. Die Situation der 70er Jahre hat sich zwar geändert. Aber noch immer stehen drogenabhängige Prostituierte am Straßenrand, sind Polizeieinsätze und Razzien keine Seltenheit. Auch Übergriffe auf Frauen gehören zum Alltag dieser Straße. Seit der EU-Osterweiterung prostituieren sich verstärkt Frauen aus ost- und südosteuropäischen Ländern (Polen, Tschechien, Rumänien, Bulgarien, Ungarn).

Prostitutionsstätten

In Berlin gibt es mindestens 400 Orte, an denen Prostitution ausgeübt wird. Berlin ist neben Rostock die einzige Großstadt, die keinen Sperrbezirk hat. Dementsprechend finden sich Bordelle, Laufhäuser und Stundenhotels über die ganze Stadt verteilt. Die meisten Prostitutionsstätten sind allerdings innerhalb des S-Bahn-Rings angesiedelt.